Lesen wärmt

- 13.12.2022 - 

So spricht der Herr:
Weh der trotzigen, der schmutzigen, der gewalttätigen Stadt.
Sie will nicht hören und nimmt sich keine Warnung zu Herzen. Sie verlässt sich nicht auf den Herrn und sucht nicht die Nähe ihres Gottes.
Dann werde ich die Lippen der Völker verwandeln in reine Lippen, damit alle den Namen des Herrn anrufen und ihm einmütig dienen.
Von jenseits der Ströme von Kusch bringen mir meine Verehrer dann als Gabe die Gemeinde meiner Verstreuten.
An jenem Tag brauchst du dich nicht mehr zu schämen, wegen all deiner schändlichen Taten, die du gegen mich verübt hast. Ja, dann entferne ich aus deiner Mitte die überheblichen Prahler, und du wirst nicht mehr hochmütig sein auf meinem heiligen Berg.
Und ich lasse in deiner Mitte übrig ein demütiges und armes Volk, das seine Zuflucht sucht beim Namen des Herrn.
Der Rest von Israel wird kein Unrecht mehr tun und wird nicht mehr lügen, in ihrem Mund findet man kein unwahres Wort mehr. Ja, sie gehen friedlich auf die Weide, und niemand schreckt sie auf, wenn sie ruhen.
Zefania 3, 1-2.9-13 
 
 
Lesen wärmt, weil es Lust macht auf Leben. Ich konnte noch nicht lesen, da habe ich das gespürt. Besonders, wenn mir ein Mädchen aus der Nachbarschaft vorgelesen hat, gerade auch in der kalten, dunklen Jahreszeit. Frage: Wärmt lesen, weil Bücher durchs (Vor)lesen schön werden, oder wird das Lesen schön durch ihre Inhalte? Oder beides?
 
Jedenfalls glaube ich und habe mit vielen Büchern und anderen
Lesestoffen erlebt:
Lesen trotzt Kälte und Krisen. Es tröstet. Es kann uns die unzerstörbare Zukunftslust in den Kopf setzen: „Es wird gut.“
 
Das kleine Buch Zefanja in der Bibel ist auch ein Lesestoff, der Kälte kennt und ihr mit Wärme begegnet: Zefanja war ein „kleiner“ Prophet in Jerusalem, anscheinend zugewandert.
Öffentlich zu Wort gemeldet hat er sich, weil er sich fühlte wie der Angehörige einer „letzten“ Generation:
 
Weh uns“, prophezeit er in Zefania 3, „unsere Oberen in Wirtschaft und Politik steuern uns in den Abgrund.
 
Vor allem ‚sozial‘ sind sie blind und taub für arme Menschen und für GOTT. Dessen warmherzige Solidarität mit notleidenden Menschen lässt sie kalt, so Zefanja. Und es ist in der Tat nicht gut gegangen für seine Generation.
 
Aber Abgrund und Kälte sind nicht das Ziel der Wege Gottes. Nur ein paar Zeilen weiter verströmt das Buch auf einmal herzliche Wärme: „Dann aber will ich den Völkern reine Lippen geben, dass sie alle des Herrn Namen anrufen.“  
 
Und: „Zur selben Zeit wirst du dich all deiner Taten nicht mehr zu schämen brauchen, denn die stolzen Prahler will ich weg tun.
 
Allerdings, zwischen den Worten des Zefanja, der sich zur „letzten“ Generation“ rechnete und diesen Zukunftsworten liegen an die 10 Generationen. Manche Bücher brauchen lange, bis sie an ein gutes Ende geschrieben werden können.
Immerhin: Zefanjas „letzte“ Generation war doch nicht die letzte.
 
Nach ihm ist viel passiert. Schreckliches und viele kleine Neuanfänge.
Zefanja lebt nicht mehr, aber ihn zu lesen wärmt und lehrt:
Arme Menschen und leidende Geschöpfe sind GOTTES* besondere Lieblinge.
Unsere auch?
 
 
Wolf-Dieter Steinmann , Pfarrer i. R. in der Evangelischen Landeskirche
in Baden